Die Defensine als Bestandteil des angeborenen Immunsystems besitzen ein breites antimikrobielles Wirkungsspektrum gegenüber Protozoen wie Lamblien (Giardia lamblia), Pilze (C. albicans), Viren (Herpes) und Bakterien (E. coli, Salmonellen, Treponemen, Chlamydien, Mycobakterien usw.).

Die beta-Defensine ragen aus der Darmmukosa gleich „Antennen“ in das Darmlumen hinein. Der Vorgang der epithelialen Bildung und anschließender Darstellung wird als Expression bezeichnet. Die expressierten Defensine „fangen“ die Erreger gleichsam ein, haften an deren Oberfläche und zerstören sie, indem sie wie „Mineure“ Mikroporen in die Zellwände sprengen.

Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, besonders beim M. Crohn, erhärten sich die Hinweise, dass eine mangelnde Expression von Defensinen ursächlich für die Pathogenese dieser Erkrankung sein könnte. In der intestinalen Mucosa von M. Crohn-Patienten beobachtet man häufig eine große Keimbelastung potentiell pathogener Erreger in den entzündlich veränderten Schleimhautarealen, die mit einem Mangel oder dem Fehlen bestimmter beta-Defensine einhergehen. Dies hat zur Folge, dass die Barrierefunktion der Schleimhäute geschwächt und der Invasion von Keimen aller Art „Tür und Tor“ geöffnet ist. M. Crohn wäre demnach ein Defensin-Mangelsyndrom. Bei Colitis ulcerosa konnte bisher kein Defensinmangel nachgewiesen werden.

Bakterien können nicht nur die Defensinbildung hemmen sondern auch anregen. Dies konnte bei Untersuchungen über die Wirksamkeit von probiotischen Bakterien – namentlich beim E. Coli-Stamm Nissle 1917 (Mutaflor) – nachgewiesen werden.
Weiter konnten in anderen Studien Belege dafür gefunden werden, dass Mikroorganismen und proinflammatorische Zytokine die Expression von Defensinen stimulieren.

In der täglichen Praxis bedeutet die Möglichkeit der beta-Defensin Bestimmung im Stuhl neben der notwendigen Erhebung von Alpha-1-Antitrypsin, sekretorischem IgA, PMN-Elastase, Lysozym und Tumor M2-PK, die entzündlichen Darmerkrankungen, wie M. Crohn, Colitis ulcerosa und Leaky-Gut-Syndrom besser differentialdiagnostisch unterscheiden zu können. Ebenso erhält man einen guten Überblick derImmunkompetenz des darmassoziierten Immunsystems.
Bei lokalen Entzündungen findet man erhöhte Werte, erniedrigte weisen auf eine Permeabilitätsstörung der Darmmukosa (Leaky-Gut-Syndrom, M. Crohn) hin.

https://www.biolabor-hemer.de (Autor Hp Hufen-Kemper)

Über den Autor


2. Vorsitzender der Union Deutscher Heilpraktiker RLP, Fachautor, Dozent/Referent für Naturheilkunde, Humorist und Mensch, aktiv in der "Schule des Lebens".

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